Großglockner Berglauf – die Organisatoren im Interview

In rund einem Monat ist es wieder soweit. Berg- und Sportbegeisterte aus aller Welt treffen sich im malerischen Bergdorf Heiligenblut, am Fuße des Großglockners, um knapp 13km und über 1.400 Höhenmeter in kürzester Zeit im Rahmen des Großglockner Berglaufs zurückzulegen.

Wir haben uns vorab mit Sabine Glantschnig und Julius Rupitsch, den Organisatoren des Großglockner Berglaufs, getroffen um mit ihnen über den Mythos Glockner, den Alpintourismus, die Natur und das Leben zu sprechen.

das Glocknerdorf Heiligenblut
das Glocknerdorf Heiligenblut

Hallo zusammen! Wie geht es euch denn heute?

Sabine: Danke, bestens. Wir hatten gestern unsere erste Organisationskomitee-Sitzung und das ganze Team ist wieder voll motiviert.

flaches Stück am Sandersee
flaches Stück am Sandersee

Wenn ihr den Großglockner-Berglauf mit einem Satz beschreiben würdet, wie würde dieser lauten?

Julius: Eine Beschreibung ist schwierig. Man muss ihn einfach erlebt haben, um den Mythos zu spüren. Dann erübrigt sich jegliche Beschreibung – das geht allen Teilnehmern so.

GlocknerBerglauf Leiterfall
der Anstieg nach dem Leiterfall, zweite Schlüsselstelle am Glocknerlauf

Ihr organisiert nun seit 4 Jahren den Berglauf, worin besteht jedes Jahr die größte Herausforderung?

Julius: Eventmanagement ist an und für sich eine Herausforderung, da man die vielen verschiedenen Motivationen der Teilnehmer, der Helfer, der Sponsoren, der Politik und dem Tourismus unter einen Hut bringen muss. Aber das macht im Grunde auch Spass und die Kommunikation mit allen Stakeholdern spielt hier eine zentrale Rolle.

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Sabine: Naja, die Ansprüche und Anforderungen von Julius umzusetzen ist eigentlich das Schwierigste (lacht).

Leiterfall Heiligenblut
kurzes Durchatmen am Leiterfall

Seid ihr selbst schonmal mitgelaufen?

Julius: Ja, ich bin drei oder vier Mal mitgelaufen – aber das ist schon lange her. Das letzte Mal wollte ich im Jahr 2014 mitlaufen – aber dann war ich plötzlich für die Organisation verantwortlich und damit war’s das mit dem Vorhaben…

Glockner Berglauf Pasterze
das letzte flache Stück im Angesicht der Pasterze

Welcher Teil der Etappe ist aus eurer Sicht der anspruchsvollste?

Sabine: Wir reden oft darüber, welcher Teil wirklich der anspruchsvollste ist. Wir finden, dass der Anstieg am Forstweg zur Sattelalm der anspruchsvollste ist – denn dort sind keine Zuseher, es ist verdammt steil und die Serpentinen fordern alles ab. Und das ist alles gleich am Beginn…

Zieletappe Großglockner Berglauf
die letzten Meter vor dem Ziel

Julius: Und der legendärste Teil ist definitiv der Schlussanstieg. Es gibt keine Laufstrecke, bei der man aus zwei Kilometer Entfernung schon die Fans, Zuseher und Musik aus dem Zielbereich hört. Das motiviert unheimlich um die 512 Stufen vor dem Ziel halbwegs erträglich zu machen.

Großglockner Berglauf
Motivation am Großglockner Berglauf

„Der Teilnehmer war so gerührt, dass er uns ein Email über mehr als zwei Seiten geschrieben hatte.“

Wie ist denn das Feedback der TeilnehmerInnen im allgemeinen?

Sabine: Obwohl wir im letzten Jahr das schlechteste Sommerwochenende erwischt hatten, gab es keine Kritik – weder von Teilnehmern, Helfern oder Sponsoren. Denn auch das potentielle schlechte Wetter am Großglockner ist Teil des Mythos – das kann im Hochgebirge einfach so sein.

Großglockner Johannesberg Pasterze
2009: Neuschnee am Morgen des Großglockner Berglaufs

Julius: Das Feedback ist sensationell. Bei den Teilnehmern sind es die persönlichen Erlebnisse. Besonders sind es individuelle Begegnungen mit den Helfern und die Stories, die daraus entstehen.

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Zum Beispiel hat einer unserer Schlussläufer einen älteren Athleten begleitet, der wirklich kämpfte und nicht wusste, ob er es schafft. Der Teilnehmer war so gerührt, dass er uns ein E-Mail über mehr als zwei Seiten geschrieben hatte. Das begeistert dann einfach unheimlich!

„Mich fasziniert der Zusammenhalt in Heiligenblut und Umgebung – da herrscht immer kollektive Begeisterung.“

Der Berglauf startet heuer das sechste Mal unter dem Motto „mythosglockner“. Wie kam es zu dieser Wortschöpfung?

Julius: Der Großglockner ist einfach eine starke Marke und strahlt einen irren Mythos aus – und das tut der Berglauf eben auch. Das führte dazu, dass sich unsere Vorgänger dafür entschlossen haben, das gesamte Projekt unter dem Dachbegriff „Mythos Großglockner“ zu vermarkten. Und da es einfach sehr passend ist, haben wir daran auch nichts geändert.

Sandersee Pasterze
Hängebrücke am Abfluss des Sandersees; ein mystischer Ort

Was ist für euch persönlich das Schönste am Event?

Julius: Mich fasziniert der Zusammenhalt in Heiligenblut und Umgebung. Die lokalen Vereine und deren Mitglieder ziehen für das Event an einem Strang – da herrscht immer kollektive Begeisterung. Ich find das einfach sehr genial!

Sabine: Stimmt, das ist echt so!

„Ja, wir waren beide schon am Gipfel – als Heiligenbluter muss man das einfach machen.“

Sprechen wir vom Großglockner als Berg. Was macht für euch den Mythos des Großglockners aus?

Sabine: Mein Vater und Bruder, sowie der Opa von Julius sind/waren Bergführer. Daher hat der Berg eine große Bedeutung für uns, denn er war natürlich immer ein zentrales Thema in der Familie.

der Großglockner
der Großglockner

Wart ihr selbst schon oben?

Sabine: Ja, wir waren beide schon am Gipfel – als Heiligenbluter muss man das einfach machen. Julius war auch schon im Winter zwei Mal am Gipfel – das letzte Mal mit Gerrit Glomser und Markus Hohenwarter, die ihn ziemlich getrieben haben. (lacht)

Gifpelaufbau mit Glocknerleitl, Sattele, Kleinglockner und Großglockner
Gifpelaufbau mit Kleinglockner und Großglockner

Euer bisheriges Leben hat euch ja schon in viele Regionen dieser Erde geführt. Was ist es, dass euch immer wieder zurück an den Fuße des Großglockners zieht?

Julius: Es ist einfach unsere Heimat. Wir sind dort aufgewachsen, schätzen die Region, die Menschen und auch unsere Eltern leben dort.

Die Hauptverantwortung für die Organisation des Events zu haben ist ein Beitrag, den wir für unsere Heimat erbringen können. Also es ist schon auch etwas sehr ideologisches!

Bricciuskapelle Großglockner Berglauf
die Bricciuskapelle an der Laufstrecke

Der Großglockner Berglauf ist zu einem fixen Bestandteil des alpinen Sommertourismus in Heiligenblut am Großglockner geworden. Wo seht ihr, auch in Hinblick auf die derzeit schneearmen Wintermonate, die Zukunft im Österreichischen Alpentourismus?

Julius: Grundsätzlich wird aktuell so viel gereist wie noch nie zuvor. Jedoch gibt es aktuell keinen Trend, der für das Skifahren spricht. Im Gegenteil, eigentlich spricht alles gegen das Skifahren.

Dennoch ist der Skisport gerade für Destinationen wie Heiligenblut ein großer Wertschöpfungstreiber, da ja neben den Beherbergungsbetrieben auch viele Dienstleister und weitere Betriebe an den Skiliften hängen.

Als Destination und Betrieb wird man sich in den Alpen in Zukunft noch stärker dem Fühlen und Erleben der wirklichen Natur widmen müssen. Das erfordert ein enges Zusammenspiel zwischen den Landwirten und dem Tourismus.

Großglockner Hochalpenstraße
die Großglockner Hochalpenstraße

Außerdem bin ich überzeugt, dass Destination mit ursprünglichen und unverfälschten Traditionen – wie das Heiligenbluter Sternsingen – daraus touristisches Potential schöpfen können.

Menschen aus der Stadt möchten Ursprüngliches erleben. Die Welt ist künstlich und inszeniert genug. Außerdem sprechen die vielen Krisenherde auf dieser Welt definitiv für Urlaub in den Alpen.

die Heiligenbluter Sternsinger
die Heiligenbluter Sternsinger

Trailrunning darf ja als sanfter Tourismus bezeichnet werden in Anbetracht der Tatsache, dass dafür keine Liftanlagen etc. notwendig sind. Wie steht ihr zum Schlagwort „sanfter Tourismus“?

Julius: Jegliche Form von Tourismus verbraucht Ressourcen – das ist die logische Konsequenz. Tourismus ist im Grunde eine junge Erscheinung, da Massentourismus erst seit dem Einsetzen der Mobilität möglich wurde.

Man muss einfach bewusst damit umgehen und einen guten Spagat für eine Ressourcen-bewusste Nutzung schaffen, damit der Lebens- und Tourismusraum nachhaltig nutzbar bleibt – für Gäste und Einheimische.

Blick talauswärts von der Franz-Josefs-Höhe
Blick talauswärts von der Franz-Josefs-Höhe, am rechen Hang verläuft die Berglaufstrecke

Zurück zum Berglauf: Wie bereiten sich denn die meisten Läufer auf diese Mammutaufgabe, den #mythosglockner, vor?

Sabine: Ganz unterschiedlich und je nach Zielsetzung. Fast jeder Teilnehmer hat mehr oder weniger Gehpassagen und im Grunde hängt die Vorbereitung stark vom Umfeld ab. Wenn man keine Berge vor der Haustüre hat, wird im Flachen trainiert….

am Fuße der Pasterze entlang
am Fuße der Pasterze entlang

Könnt ihr den Läufern hier Tipps mitgeben?

Julius: Ich weiß, wie es ist, wenn man als Athlet am Start steht. Ich habe mich immer auf den Startschuss gefreut, denn dafür habe ich trainiert. Ich glaube, man sollte einfach cool bleiben und die Stimmung auf sich wirken lassen.

Bricciuskapelle Großglockner Berglauf
kurzes flaches Stück an der Bricciuskapelle

Angenommen in 3 Tagen ist Berglauf. Was könnte ich jetzt noch schnell tun um fit für #mythosglockner zu sein?

Julius: Haha… am besten gar nichts mehr. Denn besser wird es drei Tage vorher bestimmt nicht mehr.

Julius Rupitsch Sabine Glantschnig
Julius Rupitsch und Sabine Glantschnig

Sabine Glantschnig und Julius Rupitsch sind gebürtige Heiligenbluter, leben mit ihrem Sohn Kilian in Villach und organisieren seit 4 Jahren den Großglockner Berglauf und die Großglockner Bike Challenge.

Wir bedanken uns herzlich und freuen uns schon auf den nächsten Großglockner Berglauf!

GlocknerBerglaufTeamFitapp
Daniel Wohlmuth und ich nach erfolgreichem Großglockner Berglauf 2015

Hier gehts zur Streckenbeschreibung.

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